Mein Name ist Peter Speidel. Meine Berufe sind Counselor und Ingenieur. Ich arbeite als Sparringspartner für Führungskräfte und als Klärungshelfer für Teams.
Hier schreibe ich zu den Themen Führung, Teamarbeit und Umgang mit Konflikten. Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen.
Kaum ein Thema füllt das Sommerloch besser als Googles Angriff auf unsere Privatsphäre. Kaum eine Debatte wird so dilettantisch geführt. Hier möchte zwei Beispiele vorstellen, die von starken Worten bei vollständiger Ahnungslosigkeit zeugen.
Beispiel 1
In der Rheinischen Post (rp-online vom 12.08.2010) findet sich ein Artikel mit der Überschrift ‘Bürgerprotest gegen Google’. Die besorgten Bürger, die sich gegen Google wehren wollen, haben sich vor ihren Häusern fotografieren lassen. Das Bild findet man im Internet, die Gesichter sind nicht ausgepixelt wie von Google gefordert. Nein, es stehen sogar noch die Namen der Bürgerprotestler unter dem Bild. Wer im Telefonbuch nach den Namen sucht, der weiss in wenigen Minuten, wo die Herrschaften wohnen (und könnte sie sogar noch anrufen).
Es kommt aber noch besser. Bei bing kann man sich die Häuser bereits heute aus der Vogelperspektive ansehen. Dabei kann man praktisch um die Häuser herum gehen, mal in den Garten, mal auf der Strassenfront die Häuser ‘ausspähen’. Und wem das noch nicht reicht: sehen Sie sich Videos an, die aus dem Auto heraus von der Strasse gemacht wurden. Bei e-rent.de ist ganz Düsseldorf ge-Street-Viewed – aber mit ungepixelten Autokennzeichen und Gesichtern von Passanten.
Ob die Bürgerprotestler davon wussten? Ob die Reporterin hier hätte besser überlegen sollen, worüber und wie sie berichtet?
(Mehr dazu bei wissenslogs.de)
„Durch den neuen Internetdienst können Kriminelle die Objekte in aller Seelenruhe betrachten. Sie können sehen: Wie ist das Haus gesichert?“ sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt der F.A.S. Gleichzeitig hegt er Zweifel, ob die neuen Möglichkeiten umgekehrt auch von der Polizei genutzt werden können: „Es ist rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist.”
Street View ist kein Livedienst. Wer sich eine Strasse in Google ansieht, bekommt ein Panorama gezeigt, das aus vielen Einzelbildern zusammengebaut wurde. Die Bilder sind zu einem beliebigen Zeitpunkt aufgenommen und sind statisch. Bis der Kriminelle kommt ist das von ihm erspähte offene Fenster vielleicht schon wieder zu, der Briefkasten geleert, das Auto vor dem Haus durch ein anderes ersetzt.
Schenken Sie der Polizei doch Ihr Fotoalbum, Herr Wendt. Dann können die Schutzmänner darin virtuell Streife fahren!
Die Diskussion über den Schutz der Privatsphäre muss geführt werden. Street View kann dafür ein Anlass sein. Aber bitte lassen wir uns nicht von uniformierten Dummschwätzern erschrecken. Wer mit Google über den Schutz der Privatsphäre verhandeln möchte, der sollte wissen, wovon er spricht. Es macht dann sicher Sinn, sich auch gegen alle anderen aufzustellen, die uns gläsern machen wollen. Auch wenn Sie nicht Google heissen.
Stefan Arbeit (aka Pierre M.Krause) stellt in diesem Video die coolsten Apps für die Veränderung des Lebens vor. Richtig praktische Unterstützungen für das Dasein abseits von produktivitätssteigernden GTD’s. Natürlich gibt es das Ganze nur in Verbindung mit dem neuesten und besten iPhone aller Zeiten.
Markus Väth bezeichnet heute in seinem Blog [1] die Wertedebatte als verlogen und sinnlos. Vorab möchte ich ihm ein “Kopf hoch” zurufen. Auch ein “Krieger des Lichts” hat mal einen schlechten Tag.
Nun aber zur Frage, ob die Debatte über Werte in der Arbeitswelt wirklich sinnlos ist. Debatten sind von ihrem Wortursprung her verbale Schlachten. Der Sinn einer Schlacht ist, einen anderen zu schlagen, was nicht zwingend gelingen muss. Es muss also starke Motive geben, wenn ich in die Schlacht ziehe. So stark, dass ich auch im Unterliegen noch sehen kann, wofür ich mich auf den Weg gemacht habe. Werten schriebt man diese Kraft zu.
Die Geschichte ist seit David gegen Goliath voll von Geschichten, in denen aus aussichtslos scheinender Lage gekämpft wurde. Und die Errungenschaften unserer freien Gesellschaft sind nicht vom Himmel gefallen, sondern in vielen Schlachten um Wertvorstellungen erkämpft worden. Viele davon sind aus nicht sehr aussichtsreichen Positionen begonnen worden. Und die Kämpfer waren sicher nicht jeden Tag frei von der Idee, es könne sinnlos sein weiter zu kämpfen. Aber was wäre, wenn sie in diesen Gedanken verharrt wären?
Wenn ich wüßte, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. wird Martin Luther zugeschrieben
Werte sind das Fundament der eigenen Identität. Wer sich gezwungen sieht, gegen seine Werte zu handeln, der verliert sich dabei selbst. Wenn es überhaupt etwas gibt, über das es zu debattieren Sinn macht, dann sind es Werte.
Wer bei sich selbst sieht, dass er “Dreck am Stecken hat” kann sich in Demut üben. Wir sind als Menschen nicht unfehlbar. Daraus abzuleiten, dass es auch weiter keinen Sinn macht, für seine Überzeugung zu stehen, wäre aber nach oben gesagtem fahrlässig.
Sehen wir uns noch die Sache mit der Hoffnung an. Zum Beispiel aus der Sicht des Beraters, der auszieht um Veränderungen an der Kultur eines Unternehmens zu bewirken. Seine Möglichkeiten sind sicher begrenzt durch die Vorstellungen der Unternehmensspitze – die er durch Debatten in Maßen verändern kann. Nicht umsonst klopft man diesen Rahmen vor dem Auftrag ab. Schnell ist man sonst das Instrument, das nicht einlösbare Hoffnungen schürt. Eine solche Erfahrung tut weh und lässt am Sinn des eigenen Tuns zweifeln.
Die genannten Grenzen der Veränderung sind im Übrigen auch für alle Change Manager und Führungskräfte vorhanden. Und jeden Tag lauert die Gefahr, sich selbst und anderen zu viel Hoffnung gemacht zu haben. Führen ist immer mit dem Risiko des Scheiterns verbunden. Die eigenen Grenzen, die von oben gesetzten und die persönlichen, wollen also zum Start beachtet werden. Um später Antworten geben, die Verantwortung übernehmen zu können.
Scheitert man im “Kampf gegen das Böse”, dann hat man in Führungsposition seine Kräfte falsch eingeschätzt. Die Werte für die gekämpft wurde, sind davon nicht schlecht geworden. In der Rolle des Beraters darf dieser Kampf erst gar nicht aus eigener Initiative aufgenommen werden. Der Berater hilft dem Kämpfer, seine Kräfte richtig einzuschätzen, zu bündeln, gezielt einzusetzen und eine gute Strategie aufzubauen. Er kennt taktische Mittel, um den Kampf zu führen und setzt sie zur Unterstützung der Führungskraft ein. Am Ende geht er nämlich wieder und die Führungskraft steht weiter in der Verantwortung für das Unternehmen. Insoweit macht es Sinn, die Debatte um Werte am Anfang zu führen. Schliesslich kämpft man ja als “Krieger des Lichts” nicht für die “dunkle Seite der Macht”.
Wo gewirtschaftet wird, da fallen schon mal Späne. So kann man im Blick (Schweiz)[1] lesen
Ausreisewillige EU-Arbeitnehmer sind meist gut ausgebildet, gesund, frei von familiären Verpflichtungen. Arbeitsuchende in der Schweiz hingegen haben Kinder, pflegebedürftige Eltern oder an dere Handicaps. Werner Vontobel, blick.ch, 28.02.2010
Wie weit wollen wir noch gehen, wenn es um das goldene Kalb geht? Ist das gemeint, wenn wir uns über ‘Nachhaltigkeit’ in der Wirtschaft verausgaben?