Ist die Wertedebatte wirklich sinnlos?
Markus Väth bezeichnet heute in seinem Blog [1] die Wertedebatte als verlogen und sinnlos. Vorab möchte ich ihm ein “Kopf hoch” zurufen. Auch ein “Krieger des Lichts” hat mal einen schlechten Tag.
Nun aber zur Frage, ob die Debatte über Werte in der Arbeitswelt wirklich sinnlos ist. Debatten sind von ihrem Wortursprung her verbale Schlachten. Der Sinn einer Schlacht ist, einen anderen zu schlagen, was nicht zwingend gelingen muss. Es muss also starke Motive geben, wenn ich in die Schlacht ziehe. So stark, dass ich auch im Unterliegen noch sehen kann, wofür ich mich auf den Weg gemacht habe. Werten schriebt man diese Kraft zu.
Die Geschichte ist seit David gegen Goliath voll von Geschichten, in denen aus aussichtslos scheinender Lage gekämpft wurde. Und die Errungenschaften unserer freien Gesellschaft sind nicht vom Himmel gefallen, sondern in vielen Schlachten um Wertvorstellungen erkämpft worden. Viele davon sind aus nicht sehr aussichtsreichen Positionen begonnen worden. Und die Kämpfer waren sicher nicht jeden Tag frei von der Idee, es könne sinnlos sein weiter zu kämpfen. Aber was wäre, wenn sie in diesen Gedanken verharrt wären?
Wenn ich wüßte, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.
wird Martin Luther zugeschrieben
Werte sind das Fundament der eigenen Identität. Wer sich gezwungen sieht, gegen seine Werte zu handeln, der verliert sich dabei selbst. Wenn es überhaupt etwas gibt, über das es zu debattieren Sinn macht, dann sind es Werte.
Wer bei sich selbst sieht, dass er “Dreck am Stecken hat” kann sich in Demut üben. Wir sind als Menschen nicht unfehlbar. Daraus abzuleiten, dass es auch weiter keinen Sinn macht, für seine Überzeugung zu stehen, wäre aber nach oben gesagtem fahrlässig.
Sehen wir uns noch die Sache mit der Hoffnung an. Zum Beispiel aus der Sicht des Beraters, der auszieht um Veränderungen an der Kultur eines Unternehmens zu bewirken. Seine Möglichkeiten sind sicher begrenzt durch die Vorstellungen der Unternehmensspitze – die er durch Debatten in Maßen verändern kann. Nicht umsonst klopft man diesen Rahmen vor dem Auftrag ab. Schnell ist man sonst das Instrument, das nicht einlösbare Hoffnungen schürt. Eine solche Erfahrung tut weh und lässt am Sinn des eigenen Tuns zweifeln.
Die genannten Grenzen der Veränderung sind im Übrigen auch für alle Change Manager und Führungskräfte vorhanden. Und jeden Tag lauert die Gefahr, sich selbst und anderen zu viel Hoffnung gemacht zu haben. Führen ist immer mit dem Risiko des Scheiterns verbunden. Die eigenen Grenzen, die von oben gesetzten und die persönlichen, wollen also zum Start beachtet werden. Um später Antworten geben, die Verantwortung übernehmen zu können.
Scheitert man im “Kampf gegen das Böse”, dann hat man in Führungsposition seine Kräfte falsch eingeschätzt. Die Werte für die gekämpft wurde, sind davon nicht schlecht geworden. In der Rolle des Beraters darf dieser Kampf erst gar nicht aus eigener Initiative aufgenommen werden. Der Berater hilft dem Kämpfer, seine Kräfte richtig einzuschätzen, zu bündeln, gezielt einzusetzen und eine gute Strategie aufzubauen. Er kennt taktische Mittel, um den Kampf zu führen und setzt sie zur Unterstützung der Führungskraft ein. Am Ende geht er nämlich wieder und die Führungskraft steht weiter in der Verantwortung für das Unternehmen. Insoweit macht es Sinn, die Debatte um Werte am Anfang zu führen. Schliesslich kämpft man ja als “Krieger des Lichts” nicht für die “dunkle Seite der Macht”.
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